Ich werde mitten in eine Gruppe von Menschen geschleudert, die ich kaum kenne. Von uns wird ein Foto geschossen. Es soll den Anschein erwecken, als könnten wir uns in diesem Moment nichts Tolleres vorstellen, als gemeinsam fotografiert zu werden. Ich lege meinen Arm um die Personen links und rechts von mir und lächle verkrampft in die Kamera…
Ich fand mich in einer solchen Situation zuletzt vor zwei Monaten am Ende eines Seminars. Und es passiert immer wieder: bei Hochzeiten, Firmenaktivitäten oder auf Geburtstagsfeiern. Wenn die Beteiligten nicht selbst ihre Hemmschwelle überwinden, sorgt ein Fotograf für die vermeintliche Lockerheit.
Ein solcher Fotograf ist Richard Renaldi. Er interessiert sich für Begegnungen von fremden Menschen. Das brachte ihn auf die Idee das Projekt “Touching Strangers” ins Leben zu rufen. Das Konzept dahinter ist einfach: Renaldi fragt zwei Menschen, die sich vorher noch nie gesehen haben, ob er sie porträtieren darf. Einzige Voraussetzung ist, dass die Beiden sich berühren müssen – wie ist ihnen überlassen.
Interessant sind die Bilder vor allem deshalb, weil sie offenbaren, wie unterschiedlich wir Menschen mit (unfreiwilliger) körperlicher Nähe umgehen. Einige haben überhaupt kein Problem damit, ihrem Gegenüber die Hand zu geben oder es gar zu umarmen. Andere hingegen erwecken den Eindruck, als würden sie sich nichts sehnlicher wünschen, als möglichst schnell aus der unangenehmen Situation befreit zu werden. Sie drücken dieses Gefühl durch ihre Körperhaltung, ihre Gestik und ihre Mimik aus.
Die Bildersammlung von Richard Renaldi deckt die ganze Bandbreite möglicher Reaktionen ab – eine wirklich spannende Studie zum Thema Menschen und Nähe. Es wäre interessant zu wissen, was die Psychologen zu diesem Phänomen zu sagen haben.
Bilder: Richard Renaldi
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