Wenn an Straßenrändern und Gehwegen, an Laternenmasten und Mauern, in Zeitungsautomaten und an anderen außergewöhnlichen Orten plötzlich Blumen wachsen, dann könnte ein Guerilla Gärtner am Werk gewesen sein. Ursprünglich als leise Form des politischen Protests entstanden, haben sich die modernen Guerillas vor allem der blühenden Verschönerung ihrer Städte verschrieben. Für die Guerilla Gärtner zählt vor allem das Ergebnis, Publicity haben sie hingegen weniger gern. Die meisten Pflanzungen werden daher heimlich, still und leise ausgeführt.
(“Head Gardener” von Anne Garforth)
(Umfunktionierte Flyer Box)
In Metropolen wie London gehören die Aktionen der urbanen Gärtner schon längst zum Stadtbild, aber auch in deutschen Städten ist das Guerilla Gardening bereits angekommen. In München haben sich beispielsweise die Guerilla Gartenzwerge der heimlichen Bepflanzung des öffentlichen Raumes angenommen.
Blog mit Speck wollte mehr über die Aufhübschungs-Initiative erfahren und konnte Gartenzwerg Lutz für ein Interview gewinnen.
Kannst Du uns kurz erzählen, was Guerilla Gardening ausmacht und worum es dabei aus Deiner Sicht geht, also welches Ziel verfolgt wird oder welche Grundsätze wichtig sind?
Für mich ist Guerilla Gardening eine Art stiller Protest gegen die immer weiter vorherrschende Umweltzerstörung und ein Zeichen der eigenen Stadtgestaltung. Es heißt zwar immer „München ist für seine Bürger da“, aber wenn man sich dann die Stadt genauer anschaut, dann sind in vielen Straßen nur noch Beton und ein paar einzelne Bäume am Wegesrand. Von viel grüner Fläche (außer von größeren Parkanlagen mal abgesehen) und schönen, verschiedenen Blumen ist da nicht die Rede. Als Guerilla Gärtner liegt es nun auch in meiner Hand die Stadt zu gestalten, denn nur in einer artenreichen Stadt geben wir den Insekten die Flächen zurück die wir ihnen genommen haben. Interessant ist schon jetzt, dass in vielen „unserer“ Gärten sich mehr und mehr (Wild-)Honigbienen niederlassen und das erfreut einen dann doch, wenn man sieht, dass die eigene Arbeit wirklich Früchte trägt. Aber es gibt auch viele Gärtner, die dann eigenes Gemüse und Beerensträucher in der Stadt anpflanzen. Dieses sollte meiner Meinung nach noch mehr in den Vordergrund (der Stadtverwaltung) rücken, denn was gibt es Schöneres als regional angebautes Gemüse, dass nicht erst über Autobahnen transportiert werden muss, sondern direkt im Innenhof gepflanzt werden kann. Klar, man kann auch Schrebergärten nutzen, aber diese sind dann immer nur in einigen Stadtteilen zusammengefercht und nicht wirklich frei zugänglich.
Wie kam das Guerilla Gardening nach München, wie bist Du darauf gestoßen und seit wann bist Du dabei?
Bei einer unserer gemeinsamen Aktionen meinte eine Zwergin mal: „Ich mache das eigentlich schon seit vielen Jahren, aber erst jetzt nenne ich es Guerilla Gardening und mache es mit anderen zusammen.“ Guerilla Gardening, gibt es also schon recht lange in den Städten, durchs Internet wurde es aber immer bekannter und hat nun, danke Richard Reynolds Buch („Ein botanisches Manifest„), einen großen Bekanntheitsgrad. Die Guerilla Gartenzwerge München gibt es in der Form seit April 2009. Ende des Jahres haben wir uns dann zum ersten Mal „öffentlich“ in den Räumen von Green City getroffen, um mehr Mitstreiter im Kampf gegen das Grau zu gewinnen und unsere Energie zu bündeln. Ich selber bin auch erst seit Ende 2009 dabei und habe mich gleich ins „Öffentlichkeitsarbeits-Team“ gestürzt. Hier bin ich dann für den Bereich Social Media zuständig und freue mich immer, wenn jemand auf unserer Facebookseite Bilder von seinen eigenen oder unseren gemeinsamen Gärten hochläd.
(Echte Guerilla Gartenzwerge sind mit allen Wassern gewaschen.)
Und was treibt Dich ganz persönlich an, dabei mitzumachen?
Es ist der Reiz der davon ausgeht etwas „gegen“ die Stadt zu machen, aber dennoch die Stadt nicht zu verschandeln. Es ist zwar nicht wirklich legal was wir machen, aber es wird von der Stadt geduldet. Ich kannte Guerilla Gardening aus Frankreich und war sofort begeistert, fand es aber schade, dass es in München noch keine Guerilla Gardening Gruppe gab bei der ich mitwirken konnte. Ich finde, dass auch Streetart eine tolle Möglichkeit ist die Stadt zu verschönern, aber kann mir nicht vorstellen, dass das alle Münchner so sehen. Gegen Blumen hat eigentlich nie jemand etwas. Und dank Moosgrafitti könnte man ja auch etwas Streetart betreiben ;-.) …
Wie finanziert Ihr Eure Aktionen?
Viele Pflanzen und Samen werden von uns selber gekauft. Wir bekommen aber auch Pflanzen von Gärtnereien, die diese entsorgen würden, da sie entweder schon etwas vergilbt sind oder eben von den Kunden nicht mehr gekauft werden. Einige von uns gehen aber auch auf die Pflanzenabladestelle auf den städtischen Friedhöfen und retten hier noch einige Pflanzen, die zwar noch gut sind, aber auf den Gräbern wohl nimmer schick aussehen. Wir päppeln diese dann auf und setzen sie bei der nächsten Gelegenheit aus.
Gegen (anonyme) Spenden haben wir natürlich auch nichts, denn es sind ja nicht nur die Pflanzen, die wir kaufen bzw. aufpäppeln – wir basteln ja auch Gießschilder mit denen wir die Anwohner bitten die Gärten feucht zu halten.
(Kräutergarten to go von den Guerilla Gartenzwergen)
Seid Ihr bei Euren Aktionen schon mal auf Widerstand gestoßen und wenn ja, wie geht Ihr damit um?
Die Anwohner sind eigentlich alle begeistert. Der ein oder andere war sogar richtig gerührt, dass mal jemand Blumen vor seiner Wohnung platziert hat und geht nun jeden Tag in „seinen“ Garten, hegt und pflegt die Pflanzen und erklärt gerne, dass nachts irgendwelche Bagaluten gekommen sind, alles aufgegraben haben und dann diese schönen Blumen hinterlassen haben.
Vereinzelnd trifft man auch auf Polizisten, denen man versucht das Ganze zu erklären. Meist fahren diese dann weiter, oder bitten einen die Aktion zu beenden. Ob man danach noch einmal zurückkommt bleibt dann im Ermessen der einzelnen Gartenzwerge.
Ihr nennt Euch selbst Gartenzwerge. Wenn man Dich in einem deutschen Vorgarten suchen würde, woran würde man Dich erkennen?
(lach) Wahrscheinlich würde ich eine Kamera um den Hals hängen haben, mein Laptop unter dem Arm geklemmt und mein Smartphone in der Hand halten, während ich facebooke und twittere. Dazu noch einen Weekender der am Boden steht. Da ich lange Bärte nicht so sehr mag hätte ich wahrscheinlich einen Goatee, denn ein Gartenzwerg ohne Bart ist eben kein echter Gartenzwerg. Auf alle Fälle würde ich in einem Permakulturgarten stehen (wo alles nicht ganz geregelt und geordnet ist) mit ganz viel Gemüse!
(Saatautomat für Saatbomben in San Francisco)
(Absolut harmlose Blumen-Granaten)
Facebook Kommentare















{ 2 Kommentare… unten lesen oder einen Neuen hinzufügen }
Auch in Augsburg blüht es: http://tinyurl.com/Augsburgblumen
Wow. Die sind toll. Und man muss sie nicht einmal giessen!